Neulich wurde ich mal wieder mit der Idee konfrontiert, es wäre angesagt, meine Berufung zum Beruf zu machen. Ein erstmal naheliegender Gedanke – was wäre schöner als das, wofür ich wirklich wirklich auf dieser Welt bin, so zu verpacken, dass andere mir Geld dafür geben und ich möglichst viel Zeit damit zubringen kann?
Doch etwas sträubt sich in mir. Etwas wehrt sich, begehrt auf.
Und das geht so:
Wenn ich als gesetzt nehme, dass ich meine Berufung zum Beruf machen sollte – was mache ich dann, wenn sich meine Berufung als etwas herausstellt, das kapitalistischen Verwertungslogiken nicht zuträglich ist? Vielleicht ist es meine tiefste, wahrhaftigste Berufung, zu leben – dieses Leben in all seiner Schönheit und seinen Facetten wirklich zu er-leben. Möchte mich jemand dafür bezahlen? Aber klar, ich könnte meinen Beruf ja darin sehen, anderen zu helfen, selbst wiederum das Leben ganz zu erleben. Oder inspirierende Podcasts und Bücher darüber produzieren, was es heißt, das Leben ganz zu erleben.
Huch!
Und schon habe ich mein ureigenstes, mein Wesentliches, mein Wichtigstes zurechtgebogen, verfremdet, pervertiert – um es einer kapitalistischen Verwertungslogik unterzuordnen.
Das wäre so schade.
Was ich aber möchte ist dies: Ich mache es mir zur Aufgabe, in jedem Moment meines Daseins möglichst verbunden zu sein mit dem, worum es mir wirklich geht – mit meiner Neugier, meiner Lebendigkeit, meiner Tiefe und meiner Freude. Mit meiner Liebe! – und daraus von Moment zu Moment zu entscheiden und zu handeln – und neugierig zu schauen, wo mich das hinführt.
Und vielleicht kommen dabei ein, zwei, viele Berufe heraus, die irgendwie auch spannend sind. Und vielleicht fühlen sich manche davon bisweilen ein klein bisschen wie Berufung an. Vielleicht auch nicht.
Aber am Ende meines Lebens werde ich wissen, dass ich wirklich gelebt habe auf diesem Abenteuerspielplatz namens Leben.


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